SPIELZEIT 2022/23

WICHTIGER HINWEIS: Wir behalten uns kurzfristige Änderungen des Programms der nächsten Spielzeit vor. Über die neuesten Entwicklungen und die aktuellen Sicherheitsbestimmungen für Ihren Theaterbesuch  informieren wir Sie  unter TERMINE! 


DIE GELBE TAPETE. Solostück nach der Erzählung von Charlotte Perkins Gilman, übersetzt und dramatisiert von Chiara Nassauer. Premiere am 24. September 2022. 

 

Eine Frau fühlt sich seit der Geburt ihres Kindes niedergeschlagen und energielos. Eine "Ruhekur" in einem abgelegenen Sommerhaus, mit frischer Luft und strengstem Arbeitsverbot, sollen ihre Gesundheit wieder herstellen. Doch das Krankenzimmer ist überaus merkwürdig: Das Fenster vergittert, das Bett festgenagelt, der Boden verkratzt - und die Wände mit einer hässlichen gelben Tapete bedeckt. In dieser tristen Umgebung sich selbst überlassen, beginnt die Frau, sich immer eingehender mit dem Muster der Tapete zu beschäftigen, in dem sie Bilder zur erkennen glaubt. Was als Reise ins Innere beginnt, entwickelt sich immer mehr zu einem wahnhaften Alptraum. Schließlich ist sich die Hauptfigur sicher: Hinter der Tapete ist eine junge Frau gefangen, die sie befreien muss...

 

Charlotte Perkins Gilman (1860-1935) verarbeitete in der 1892 veröffentlichten Erzählung ihre eigene Erfahrung mit postpartaler Depression und schrieb dabei nicht nur einen packenden Thriller, sondern auch eine scharfzüngige Gesellschaftskritik. Während das Werk bei vielen ihrer Zeitgenossen auf Unverständnis und Ablehnung stieß, gilt es heute als Klassiker der feministischen Literatur - und ist uns durch die eigene Erfahrung von Isolation und Zukunftsunsicherheit in Pandemiezeiten noch näher gerückt.

Über die Geschichte schrieb Perkins Gilman selbst: "Sie war nicht dazu gedacht, Leute in den Wahnsinn zu treiben, sondern dazu, Leute davor zu retten, in den Wahnsinn getrieben zu werden."

 

Mit: Antje Hobucher

Regie: Chiara Nassauer 

 

Weitere Aufführungen:

07.10.

08.10.

06.11.

11.12.


EIN BERICHT FÜR EINE AKADEMIE. Solostück nach der Erzählung von Franz Kafka. Premiere am 1. Oktober 2022.

 

Der Menschenaffe Rotpeter berichtet einer Akademie hoher Herren von seinem langen Weg zur Menschwerdung. In Afrika eingefangen, wird er bei der Überfahrt in einen engen Käfig gepfercht und muss geschmacklose Späße über sich ergehen lassen. Die gedemütigte Kreatur versucht, das Beste aus der misslichen Lage zu machen: Wenn man nicht als der akzeptiert wird, der man ist, dann muss man sich eben anpassen, um zu überleben. So meistert er die Grundzüge der menschlichen Natur - den offenen Handschlag, das Rauchen, die Benutzung der Schnapsflasche -, bildet sich und imitiert die menschliche Natur, bis er am Ende die Wahl hat: Zoo oder Varieté, Käfig oder Zurschaustellung. 

 

Franz Kafka (1883-1924) schrieb mit dem BERICHT FÜR EINE AKADEMIE eine Parabel auf die soziale Enge der Gesellschaft, den starken Wunsch nach Anerkennung und auf die Macht der Ausgrenzung. Wie lässt sich die eigene Identität währen? Scheitert Integration an falscher Anpassung? Und muss ein Fremder immer ein Fremder bleiben? 

 

Mit: Christian Jungwirth

Regie: Nikolaos Boitsos

 

Weitere Aufführungen:

09.10.

21.10.

05.11.

 11.11.


DAS KUNSTSEIDENE MÄDCHEN. Solostück nach dem Roman von Irmgard Keun, bearbeitet von Gottfried Greiffenhagen. Premiere am 14. Oktober 2022.

 

"Ich werde ein Glanz!" Dieser Wunsch treibt die junge Doris Anfang der 1930er Jahre um. Bei ihrem Traum von Liebe, Luxus und Karriere kommt natürlich nur ein einziges Ziel in Frage: Berlin! Doch schon bald sieht sich Doris mit der glanzlosen Realität konfrontiert: Arbeitslosigkeit und Kriminalität prägen den Alltag in der Metropole, und statt des ganz großen Glücks erwarten sie flüchtige Männerbekanntschaften, Gewalt und der Kampf ums nackte Überleben. Doch allen Enttäuschungen zum Trotz versucht die nicht gerade auf den Mund gefallene Doris, mit Humor und Lebenshunger ihren Platz in der halbseidenen Vergnügungswelt zu behaupten.

 

1931 machte ihr erster Roman GILGI, EINE VON UNS Irmgard Keun (1905-1982) über Nacht berühmt. Doch bereits zwei Jahre später landeten ihre lebensnahen, frechen und zugleich poetischen Schilderungen der Zeit auf der Liste "schändlichen und unerwünschten Schrifttums" der Nationalsozialsiten. Erst spät wurden ihre zeitlosen Werke wiederentdeckt, auch durch Gottfried Greiffenhagens Bearbeitungen für die Bühne.

 

Mit: Lisa Wittemer

Regie: Chiara Nassauer

Aufführungsrechte: Verlag Felix Bloch Erben

 

Weitere Aufführungen:

22.10.

23.10.

29.10.

30.10. 


RITA WILL´S WISSEN. Komödie von Willy Russell, bearbeitet von René Heinersdorff. Premiere am  4. November 2022.

 

Frank ist Literaturprofessor, frustriert und zynisch und stark dem Whiskey zugeneigt. Rita ist Friseurin, verheiratet und will noch was vom Leben. Von Wissensdurst getrieben, belegt sie einen Kurs für Erwachsenenbildung - und landet bei Frank. Mit ihrem gesunden Menschenverstand und ihrer Lebensfreude wirbelt sie die Welt ihres Tutors kräftig durcheinander...

 

Willy Russells (*1946) Komödie "Educating Rita" - in Deutschland auch unter dem Titel "Bildung für Rita" bekannt - besticht durch Witz, hintersinnige Dialoge und intelligentes Spiel mit Klischees. Und Russell weiß, wovon er schreibt: Mit 15 verließ er die Schule und machte eine Ausbildung zum Damenfriseur. Mit 20 hatte er seinen eigenen Salon, bevor er an der Abendschule einen Literaturkurs absolvierte. Mit der bildungshungrigen Rita legte er 1980 den Grundstein für eine überaus erfolgreiche Karriere als Theater- und Musicalautor. 

 

Mit: Chiara Nassauer und Christian Jungwirth

Regie: Nikolaos Boitsos

Aufführungsrechte: LITAG Theaterverlag

 

Weitere Aufführungen:

12.11.

13.11.

19.11.

10.12. 


DIE WEIHNACHTSGSCHICHT AUF BOARISCH. Szenische Lesung nach „A Christmas Carol“ von Charles Dickens. Premiere am 26. November 2022.

 

Die Geschichte vom geizigen Ebenezer Scrooge, der zur Weihnacht Besuch von drei Geistern bekommt, kennt wahrscheinlich jedes Kind. Aber haben Sie die Geschichte schon einmal auf "guat boarisch" gehört?

 

Das Zimmertheater präsentiert nach der BOARISCHEN WEIHNACHT von 2018 einen weiteren besinnlichen Klassiker in Mundart. Chiara Nassauer und Christian Jungwirth nehmen bei dieser szenischen Lesung das Publikum mit auf die weihnachtliche Reise eines alten Griesgrams, der das Lieben und Leben wieder lernen muss. 

 

Mit: Chiara Nassauer und Christian Jungwirth

 

Weitere Aufführungen:

27.11.

03.12.

04.12.


ORLANDO. Theaterstück nach dem Roman von Virginia Woolf. Geplante Premiere im Frühjahr 2023.

 

Orlando - ein altersloser Grenzgänger zwischen den Jahrhunderten: Als Adeliger am Hof Elizabeths I., später unglücklich verliebt in eine russische Prinzessin, Schriftsteller, Gesandter Charles´ II. in Konstantinopel, von wo aus er als Frau nach Großbritannien zurückkehrt. Orlando gibt Partys im aufgeklärten 18. Jahrhundert, liebt Männer und Frauen und heiratet schließlich im zugeknöpften viktorianischen Zeitalter einen Mann. Held oder Heldin, männlich oder weiblich - aber spielt das denn überhaupt eine Rolle? 

 

Virginia Woolf (1882-1941) schuf mit Orlandos Biographie nicht nur ein opulentes Sittengemälde europäischer Geschichte, sondern auch eine schillernde Persönlichkeit, die starre Kategorien, Zuschreibungen und Vorstellungen von dem, was Männer und Frauen auszeichnet, mit spielerischer Leichtigkeit sprengt. Das Werk widmete die verheiratete Woolf ihrer langjährigen Geliebten und Freundin Vita Sackville-West.

 

Mit: Antje Hobucher und Petra-Lina Schulze

Regie: Chiara Nassauer

 

Aufführungstermine werden in Kürze bekanntgegeben!


DORFKIND. Ein Audiospaziergang durch Uffing am Staffelsee. Online verfügbar.

 

Chiara Nassauer ist ein Dorfkind: Aufgewachsen in den 80er und 90er Jahren in Uffing am Staffelsee. Und sie kennt sie noch alle: Die Plätze, an denen man wilde Bandenlager zwischen Gestrüpp und Bachläufen errichten konnte. Die Plätze, wo die Kaugummiautomaten mit den steinharten Kugeln hingen. Die Plätze, an denen man sich früher noch auf der Leichenhausmauer verstecken konnte, um vorbeigehende Leute zu erschrecken. Die Plätze, wo man Pfennige sammeln konnte, um sie später gegen eine Zuckerltüte zu tauschen. Aber auch die Plätze, wo man sich um Sand gestritten hat, wo Katzen gefährlich lebten, wo man sich zum heimlichen Rauchen verstecken musste und wo man beim Bobfahren - mit schmerzhaften Folgen - den hinterlistigen "Huckel" übersehen hat.

 

Aber ist man überhaupt ein richtiges Dorfkind, wenn die Eltern nicht "vo da" sind? Gibt es Klischees über das Landleben, die sich immer noch hartnäckig halten - und wie sieht es in der Realität aus? Wie unterscheidet sich so ein Dorfkindleben heute vom Leben vor vierzig oder sechzig Jahren? Und wie verlief eine solche Kindheit in einem ganz anderen Teil der Welt?

 

Den Audiospaziergang DORFKIND, eingesprochen von Chiara Nassauer und Christian Jungwirth, können sich die Besucher*innen direkt auf ihr Handy laden und im Gehen per Kopfhörer mitverfolgen. Beim Rundgang durch Uffing werden sie an Plätze geführt, die mit typischen Erlebnissen einer Dorfkindheit und -jugend verknüpft sind. Textgrundlage sind Chiara Nassauers persönliche Erinnerungen sowie eigens für das Projekt geführte Interviews mit Dorfbewohner*innen mit und ohne Zuwanderungsgeschichte. Neben humorvollen, aufregenden und melancholischen Szenen können die Zuhörer*innen das Thema Dorfkindheit auf ihrem Spaziergang durch einfache Anleitungen sogar ertasten, riechen und auf Wunsch nachspielen. 

 

Sprecher: Chiara Nassauer & Christian Jungwirth

Regie & Texterstellung: Chiara Nassauer

Dramaturgie & Tonschnitt: Nikolaos Boitsos

Produktionsassistenz: Viola Nassauer

 

Ab sofort online verfügbar - hier geht es zum Audiospaziergang! 


Das Projekt DORFKIND wird im Rahmen von "Global Village Projects" gefördert vom Fonds Darstellende Künste aus Mitteln der Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien und dem Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft.


Weitere Premieren der Spielzeit 22/23 werden in Kürze bekanntgegeben!


Bereits abgespielte Produktionen des Zimmertheaters finden Sie in unserem Archiv.